Psychische Anzeichen

Eine einzelne Gewalterfahrung kann traumatisieren. Menschen, die über einen längeren Zeitraum oder dauerhaft Gewalt erfahren, zeigen oft psychische bzw. psychosomatische Beschwerden, die Ihnen im Rahmen der Anamnese, bei Untersuchungen und pflegerischen Maßnahmen, bei Hausbesuchen oder stationären Aufenthalten auffallen könnten.

Auch gesundheitsriskante Verhaltensweisen wie z.B. Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum, Essverhaltensstörungen, ein riskantes Sexualleben oder Selbstverletzungen könnten auf aktuelle oder vergangene Gewalterfahrungen hinweisen (vgl. Wieners et al. 2012).

Psychische Anzeichen

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Suizidalität
  • selbstverletzendes Verhalten
  • Posttraumatische Belastungsstörungen

Psychosomatisch

  • Essstörungen
  • Schlafstörungen
  • chronische Schmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Atemwegserkrankungen
  • rezidivierende Infekte

Hinweise bei Säuglingen und Kindern

Säuglinge bzw. Kleinkinder, die Gewalt erfahren, können z. B. durch häufiges und anhaltendes Schreien, Gedeihstörungen, Ängstlichkeit, Schlafstörungen oder Regression auffallen. Kinder, die bereits sauber waren, nässen möglicherweise wieder ein.

Ältere Kinder oder Jugendliche sind mitunter in ihrem Verhalten distanzlos oder aggressiv. Oftmals spielen auch ein Substanzmissbrauch, verminderte Schulleistungen oder selbstverletzende Verhaltensweisen eine Rolle.

(Herrmann et al. 2010)

Hinweise auf Gewalt bei Pflegebedürftigen

Bei Pflegebedürftigen kann es infolge von Gewalt zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes bzw. einem Voranschreiten bestehender Krankheiten (z. B. demenzieller Veränderungen, Depressionen) kommen. Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, Ängstlichkeit und „in sich gekehrt“ sein können ebenso auffallen wie ein ablehnendes und aggressives Verhalten.