Verletzungen dokumentieren

Eine Dokumentation von Gewaltfolgen durch Ärztinnen bzw Ärzte, Pflege- oder Gesundheitsfachkräfte, die vor Gericht verwertbar ist, erleichtert der geschädigten Person, juristische Schritte gegen die verursachende Person einzuleiten. Das kann in allen Fällen von Gewalt helfen, Ansprüche geltend zu machen und die verursachende Person zur Rechenschaft zu ziehen und Gewaltkreisläufe zu durchbrechen. Es kann Geschädigten Mut machen und damit eine Chronifizierung von Gewaltfolgen weniger wahrscheinlich machen.

Die meisten Ermittlungsverfahren werden aufgrund einer mangelnden Beweislage eingestellt. Gerichtsverwertbar dokumentierte Befunde können als Beweismittel dienen und zur Klärung des Sachverhaltes beitragen (Wieners al al. 2012). Sie bietet Ärztinnen bzw. Ärzten, Pflege- und Gesundheitsfachkräften Rechtssicherheit für Ihr Handeln und kann eine wichtige Grundlage für weitere Akteure des Versorgungs-, Hilfe- und Justizsystems sein, um weitere Schritte zum Schutz der Betroffenen einzuleiten.

Als schnelle Hilfe für die Praxis finden Sie hier einen Basisdokumentationsbogen für Verletzungen und eine Datei mit weiteren Erläuterungen und Hinweisen zum praktischen Vorgehen bei der Untersuchung.

Wenn Sie sich mit ihrem Doc Check Passwort anmelden, bekommen Sie Zugang zu weiteren Informationen, Fotos und Beispielbeschreibungen zu den Themen „Arten von Gewalteinwirkungen“, „Arten von Verletzungen“, „Besondere Gewaltformen“, „Fotodokumentation“ und „Spurensicherung“.

DocCheck

Für Fachinformationen zur Befundung von Gewaltfolgen bitte einloggen.

Vordrucke für die gerichtsverwertbare Dokumentation

In vielen Bundesländern wurden Formulare für die gerichtsverwertbare Dokumentation von Befunden nach körperlicher oder sexualisierter Gewalt entwickelt, die z.B. über die Homepage der jeweiligen Ärztekammer, des jeweiligen Landes-Ministeriums oder bei Institutionen aus dem Hilfebereich (z.B. Frauennotruf) abgerufen werden können. Sie unterscheiden sich in Details. Sie sind nicht daran gebunden, die Vordrucke Ihres Bundeslandes zu benutzen.

Für den Schnellzugriff bieten wir Ihnen hier die Vordrucke aus Hessen an: zu körperlicher Gewalt, zu sexualisierter Gewalt, für die zahnärztliche Versorgung und für auffällige und ungeklärte Befunde bei Pflegebedürftigen. Sie wurden multidisziplinär erarbeitet und in der Praxis erprobt. Teils wurden sie vorab wissenschaftlich validiert, teils nach der Praxiseinführung evaluiert.

Bei multiplen Verletzungen unterschiedlichen Alters und besonders bei Gewaltanwendung gegen den Hals ist ein rechtsmedizinisches Konsil anzuraten. Alle Institute der Rechtsmedizin bieten dies an. In Niedersachsen (Forensikon) und Bayern (remed) stehen für Ärztinnen und Ärzte des jeweiligen Bundeslandes gesicherte Online-Portale der Rechtsmedizin zur Verfügung, über die unklare Befunde mit einem Verdacht auf Kindesmisshandlung abgeklärt werden können.