Gewalt gegen Kinder

Kinder können direkt oder indirekt, als Zeuge, von Gewalt vor allem im familiären Umfeld betroffen sein. Für Deutschland liegen bisher keine verlässlichen Daten vor, mit denen die Häufigkeit von Kindesmisshandlung eingeschätzt werden kann.

Polizeilich registriert sind in Deutschland jährlich etwa 3000 Anzeigen. Bei schätzungsweise 40 bis 100 Todesfällen pro Jahr liegt eine Misshandlung zugrunde. Von einer hohen Dunkelziffer ist auszugehen. Vermutet wird eine Lebenszeitprävalenz von direkten körperlichen Gewalterfahrungen in der Kindheit in Deutschland von 11,8 % der Männer und 9,9 % der Frauen. Sexuelle Misshandlungen mit Körperkontat in der Kindheit werden von
2,8 % der Männer und 8,6 % der Frauen berichtet. 2 % aller stationär betreuten Kinder zeigen körperliche Symptome, die auf Misshandlung oder Vernachlässigung zurückgeführt werden könnten (AWMF-Leitlinie 2008/2009). Anzunehmen ist, dass etwa 10 % aller kindlichen Frakturen durch körperliche Gewalt verursacht werden, bis zu 50 % im ersten Lebensjahr (Herrmann et al. 2010).

Daten aus den USA zeigen, dass von den Kindern, die irgendeiner Form von Gewalt ausgesetzt sind, über 60 % vernachlässigt werden. Etwa 10 % der von Gewalt betroffenen Kinder werden sexuell missbraucht (Herrmann et al. 2010).

Gewalterfahrungen von Jugendlichen

In der KiGGS-Studie wurden 6 616 Kinder und Jugendliche von 11 bis 17 Jahren nach ihrer subjektiven Gewaltbetroffenheit befragt. Es wurde nicht nach Gewaltformen unterschieden. Vielmehr war ausschlaggebend, was die Befragten selbst unter Gewalt verstanden haben.

In den letzten 12 Monaten vor der Befragung wurden fast 20 % der Jungen Täter, 5 % Opfer, und weitere 7,6 % waren sowohl Täter als auch Opfer. Unter denjenigen, die Opfer aber nicht auch Täter waren, unterschieden sich Mädchen und Jungen statistisch nicht bedeutsam voneinander. Mädchen waren dagegen jeweils nur etwa halb so häufig Täterinnen oder sowohl Täterinnen als auch Opfer.

Jugendliche mit Tätererfahrung waren an Hauptschulen deutlich häufiger als an anderen Schularten zu finden. Erhöht ist der Täter-Anteil zudem in Familien mit niedrigem Sozialstatus sowie Migrationshintergrund. Opfer von Gewalt, ohne auch zugleich Täter zu sein, wurden vor allem Gesamtschüler bzw. -schülerinnen, gefolgt von den Haupt- und den Realschülern /-schülerinnen (RKI, BzgA 2008).

Da nur der subjektive Gewaltbegriff zählte und weder Gewaltformen noch Gewaltschwere unterschieden wurden, sind die Aussagen insbesondere zu den Geschlechtsdifferenzen und den sozialen Differenzen allerdings mit großer Vorsicht zu interpretieren. Gerade die Wahrnehmung, was als Gewalt erlebt wird, kann sich stark unterscheiden. Dass weit mehr Jugendliche angeben Täter zu sein als Opfer, spricht zudem für eine mögliche Verfälschung der Angaben der Jugendlichen.