Gewalt gegen Männer

Die repräsentative Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) liefert Daten zu körperlichen und psychischen Gewaltwiderfahrnissen Erwachsener in Deutschland in den letzten 12 Monaten. Unter den befragten Männern zwischen 18 und 64 Jahren gaben 6,2 % an körperliche Gewalt erfahren zu haben. Besonders betroffen waren Männer zwischen 18 und 29 (17 %) und Männer mit niedrigem sozialem Status (9,5 %). Am häufigsten widerfuhr Männern die Gewalt durch fremde Personen (3,8 %), am seltensten durch den Partner oder die Partnerin (0,9 %). 83,2 % der Männer, denen körperliche Gewalt wiederfahren war, gaben starke oder sehr starke Beeinträchtigung des Befindens an (Schlack et al. 2013).

Dies bestätigt die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Pilot-Studie im Auftrag des BMFSFJ an 200 Männern, nach der Männer häufiger und schwerwiegender Gewalt in der Öffentlichkeit widerfuhr. Zu 90 % ging die Gewalt hierbei von anderen Männern aus und reichte von Androhungen, Wegschubsen und Treten bis hin zu dem Gebrauch von Waffen (Jungnitz et al. 2004).

Beide Studien belegen, dass Männer auch in Partnerschaften Gewalt widerfahren kann, aber seltener als Frauen. Die Unterschiede im Ausmaß der körperlichen Partnergewalt waren mit 1,2 % der Frauen und 0,9 % der Männer in der DEGS1 (Schlack et al. 2013) geringer als erwartet. Allerdings ist durch die Operationalisierung von Gewalt ein Genderbias zu erwarten. So wird in der Forschung zu Partnergewalt wird zwischen zwei Arten der Ausübung von Gewalt unterschieden: Gewalt als Konfliktstrategie, die gleichberechtigt zwischen zwei Partner ausgeübt wird, und Gewalt zur Ausübung von Macht und Kontrolle (Johnson 2000). Diese Unterscheidung wird in der DEGS1 nicht getroffen.

Vermeintliche Geschlechtersymmetrie

Die Conflict Tactics Scale (CTS) wurde in den USA als Forschungsinstrument zum Erheben der Häufigkeit von Streit, verbalen Aggressionen und körperlicher Gewalt in Familien entwickelt. Sie umfasst 19 Fragen und besitzt eine gute Reliabilität. Dennoch wird das Instrument unter anderem aufgrund einer mangelnden Gendersensibilität kritisiert. Eine überarbeitete Version ist die CTS 2. Sie enthält 78 Fragen zur 12-Monats-Prävalenz. Inwieweit die Validität hinreichend nachgewiesen ist, ist umstritten, die diskutierten Probleme der CTS sind nicht vollständig gelöst.

Wird die CTS eingesetzt, um zusammenfassend Prävalenzen von jeglicher Form von Gewalt zu erfassen, so scheint es in der Häufigkeit von Partnergewalt kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu geben. Fragt man aber nach der Art und Schwere von Gewalt zeigt die Datenlage deutliche Unterschiede: Frauen sind deutlich häufiger von schwereren Formen von Partnergewalt betroffen als Männer.

Hilfreich zur besseren Erfassung des Gewaltgeschehens wäre eine Differenzierung von Gewalttypen, z.B. folgenden drei:

  • Körperliche Gewalt wird sporadisch und wechselseitig in einer Beziehung gelebt, macht sich an bestimmten Konflikten fest und eskaliert eher nicht.
  • Gewalt tritt systematisch, einseitig und regelmäßig auf und ist mit Kontroll- und Dominanzverhalten des meist männlichen Angreifers verbunden.
  • Nach oft jahreslangen Misshandlungen durch den Mann schlägt die Frau zurück und verletzt den Mann schwer oder tötet ihn sogar.

(vgl. Liepe, Blättner 2013; Brzank 2012).